Management physischer Klimarisiken

Anna Höfer • Mar 22, 2024

Während viele Unternehmen bereits umfangreiche Maßnahmen ergreifen, um die Auswirkungen des Klimawandels so weit wie möglich zu minimieren, gehört auch zur Wahrheit, dass der Klimawandel und seine Auswirkungen in naher und ferner Zukunft unausweichlich sein werden. Dies macht sich in weiten Teilen Deutschlands bereits durch eine Zunahme von Extremwetterereignissen wie der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021, zahlreichen heißen Sommern in den letzten Jahren oder dem Dauerregen und Hochwasser zu Beginn dieses Jahres bemerkbar. Unternehmen sollten sich deshalb so früh wie möglich mit Gefahren, die durch den Klimawandel und die einhergehende Zunahme an

Extremwetterereignissen beispielsweise an ihren Produktionsstandorten entstehen können, beschäftigen.

Physische Klimarisiken

Im Unternehmenskontext wird zwischen physischen Risiken, d. h. Risiken, die sich aus Klimagefahren ergeben, wie z. B. Schäden an Gebäuden durch Starkregen, und transitorischen Klimarisiken unterschieden. Transitorische Risiken ergeben sich aus der Klimapolitik und der schrittweisen Dekarbonisierung der Wirtschaft. Ein Beispiel für transitorische Risiken sind höhere Kosten infolge der Verschärfung des Emissionshandels.


Die durch die Richtlinie über die Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) und die EU-Taxonomie eingeführten Berichtspflichten bedeuten, dass viele in der EU ansässige Unternehmen ihre physischen Klimarisiken angehen und systematisch verwalten müssen.


Das Umweltbundesamt hat im August 2023 einen Bericht über das Thema „physische Klimarisiken managen“ veröffentlicht, in dem beschrieben wird, wie sich Unternehmen auf  Klimarisiken wie extreme Wetterereignisse, Dürren oder den Anstieg des Meeresspiegels

einstellen können.


Wir fassen für Sie die zentralen Punkte des Berichts zusammen und verschaffen Ihnen somit einen Überblick über die Frage, wie Sie und ihr Unternehmen sich bestmöglich auf Klimarisiken vorbereiten können.


Ermittlung von Klimarisiken anhand des geografischen Standorts

Je nach geografischem Standort müssen sich Unternehmen auf unterschiedliche klimabedingte Veränderungen einstellen. So wird laut Klimaszenarien an den Küsten Deutschlands mit einer Zunahme von Starkregenereignissen gerechnet, während in den trockensten Regionen Ostdeutschlands mit einer Zunahme von Starkregen und Hitze zu rechnen ist. Extreme Wetterereignisse sind vor allem im Osten und Südwesten Deutschlands zu erwarten, weshalb diese Regionen auch als "klimatische Hotspots" bezeichnet werden. Es ist wichtig, bei der Identifizierung von Risiken die Lage der Standorte zu berücksichtigen und Pläne für jeden Standort zu erstellen.


Durchführung einer Klimarisikoanalyse

Dieser Prozess kann dazu beitragen, Standorte und Systeme zu identifizieren, die gegenwärtig und in Zukunft Gefährdungen durch Klimagefahren für das Unternehmen bedeuten, sowie das Ausmaß zu erkennen, in dem jede dieser Gefahren in einem Worst- Case-Klimaszenario negative Auswirkungen auf den jeweiligen Standort haben könnte.


Das Umweltbundesamt skizziert sechs Schritte, die Unternehmen bei der Erstellung eines solchen Berichts befolgen sollten.


Die grundlegenden Schritte, die ein Unternehmen zur Durchführung einer Klimarisikoanalyseunternehmen kann, sind die folgenden:


1. Bestimmung der zu untersuchenden Objekte


  • Eine Klimarisikoanalyse muss für JEDEN Standort des Unternehmens durchgeführt werden.
  • Daher müssen die verschiedenen Standorte, gegebenenfalls einschließlich der Zulieferer und Lieferketten, ermittelt werden.


2. Bestimmung der Systemelemente


  • Die Standorte eines jeden Unternehmens bestehen aus entsprechenden Systemelementen wie Lagern oder Mitarbeitern, die in unterschiedlichem Maße von Klimarisiken betroffen sind. Diese Systemelemente müssen in einem ersten Schritt vor der Durchführung der Klimarisikoanalyse zusätzlich zu den Standorten des Unternehmens identifiziert werden.


3. Bestimmung des Zeithorizonts


  • Um Taxonomiekonformität zu erreichen, müssen Klimarisikoanalysen in der Regel sowohl für aktuelle (bis zu 10 Jahre) als auch für zukünftige (ab 10 Jahre) Klimagefahren durchgeführt werden.


4./5. Ermittlung von potenziell relevanten Klimagefahren und Zusammenstellung von

Informationen über Klimagefahren


  • Verschiedene Informationsquellen können genutzt werden, um Klimarisiken zu identifizieren, z. B. Daten des Deutschen Wetterdienstes, kommunale Klimarisikoanalysen von Städten oder spezifische Risikoberichte z.B. von Ministerien.


6. Identifizierung und Bewertung der physischen Klimarisiken


  • Nach dem Zusammentragen aller wichtigen Informationen wird ausgehend von einem Worst-Case-Szenario an Klimarisiken abgeschätzt, inwieweit ein negativer Einfluss auf die Standorte oder Systemelemente des Unternehmens entstehen können.
  • Für jedes Element müssen die entsprechenden Klimarisiken analysiert, der Zeithorizont festgelegt und Sensitivitäten sowie Interdependenzen zwischen den Systemelementen ermittelt werden.
  • Sowohl die Vorbereitung als auch die endgültige Erstellung eines Klimarisikoberichts ist ein partizipativer Prozess, an dem mehrere interne und externe Experten beteiligt sein müssen.


Eine detaillierte Beschreibung der Erstellung einer Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse finden Sie auf der Website des Umweltbundesamtes.


Festlegung von Anpassungsmaßnahmen

Wenn Ihre Klimarisikoanalyse Elemente des Unternehmens identifiziert, die erheblichen physischen Klimarisiken ausgesetzt sind, müssen technische und organisatorische Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die EU-Taxonomie verlangt zum Beispiel die Festlegung von Anpassungsmaßnahmen, um die wichtigsten physischen Klimarisiken deutlich zu reduzieren. Dabei ist zu beachten, dass der Anpassungsplan die Klimaresilienz anderer Akteure und Ökosysteme nicht beeinträchtigen darf und sich nicht negativ auf den

Klimaschutz auswirken darf.


Festlegung von Anpassungsmaßnahmen

Der Vorstand und der Aufsichtsrat bzw. die Geschäftsführung müssen die Klimarisiken des Unternehmens angemessen überwachen. Dies kann dadurch geschehen, dass das Thema regelmäßig als Punkt auf der Risikomanagement-Agenda behandelt wird. Auch unterhalb der Führungsebene müssen die Verantwortlichkeiten explizit festgelegt werden. Standort- und Klimarisikoanalysen müssen regelmäßig überprüft werden, und klimabezogene Risiken müssen ab diesem Jahr auch extern gemäß der CSRD berichtet werden.



by Sam Wheeler 19 Apr, 2024
Cover Image credits: Sophie Monsarrat | Rewilding Europe
by Anna Höfer 25 Mar, 2024
While many companies are already taking comprehensive measures to minimise the effects of climate change as far as possible, it is also true that climate change is inevitable in the near and distant future. This has already become noticeable in large parts of Germany with an increase in extreme weather events such as the flood disaster in the Ahr valley in 2021, numerous hot summers in recent years, or the constant rain and flooding at the beginning of this year. Companies should therefore address the risks that could arise from climate change and the associated increase in extreme weather events, for example at their different sites, as early as possible.
by Samantha Wheeler 26 Feb, 2024
Registration is now open for the GBCI Circle event for 2024. You can register here. EnviroSustain is proud to once again be a sponsor of this event which will be held in Athens, Greece. The event will run from the 17-19 April and the three days will be packed with a welcome reception, sustainable building tours, experiences, and learning sessions. After such a great experience last year in Barcelona , we can’t wait to travel with the team again. As we avoid air travel as part of our ESG Policy, the ES team will be travelling to Athens by land and sea over the course of two days! This involves the night train from Munich to Roma (or alternatively to Bologna), train to Bari, then the ferry overnight from Bari to Patras and to finish the bus to Athens. We look forward to sharing our journey with you on social media. GBCI Circle is designed to provide networking opportunities and education sessions for Europe's LEED consultants, property owners and managers, building experts and consultants and all of those interested in sustainability within real estate. The 2024 program focuses on the future of Healthy Human Habitat Venues include The Piraeus Tower (pursuing LEED Platinum and WELL certification), The Lighthouse (LEED Platinum), The Ellinikon (pursuing LEED, WELL and SITES), The National Gallery of Art (2 x LEED Silver certifications).
by Samantha Wheeler 15 Feb, 2024
With the start of a new year comes the beginning of a new GRESB reporting period. EnviroSustain has been supporting clients with GRESB submissions for almost a decade now and we are pleased to see participation growing. The GRESB portal will open on 1st April but now is the time to begin prepping your team and collecting data. As ESG reporting gains more momentum in the mainstream, changes are needed to keep up with current developments. The Real Estate and Infrastructure Standards Committee works to gather feedback and make recommendations on changes to the GRESB Foundation Board.
by Anna Höfer 28 Jan, 2024
The annual Global Risk Report published by the World Economic Forum (WEF) presents a comprehensive analysis of current global challenges. In its report published in January of this year, the WEF warns of a "foreseen duo of dangerous crises", referring to the duality of climate and conflict-related challenges. Respondents from academia, business, government, the international community and civil society see climate change-related risks in particular as a key global challenge in the long term. According to the survey, the four most highly rated risks over the next 10 years are: extreme weather events, critical changes to earth systems, loss of biodiversity and the collapse of ecosystems. In addition, current crises and conflicts such as inflation, the war in Ukraine and the conflict between Israel and Palestine make many respondents pessimistic about the coming years. If implemented consistently, ESG guidelines can help to reduce the negative impact of companies on the environment and thus mitigate climate change-related risks by creating a sustainable business environment. In 2024, numerous new EU regulations will come into force to make ESG reporting more transparent and standardised. The aim is to oblige companies to be more transparent and accountable with regard to their environmental impact.
by Samantha Wheeler 22 Jan, 2024
We are all increasingly aware of the pressing need for environmental sustainability and as biodiversity disclosures gain momentum , the Task Force on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) serves as a blueprint for integrating nature-related disclosures into decision making and existing mandatory reporting requirements. TNFD, like the Task Force for Climate-related Financial Disclosure (TCFD), operates as a voluntary disclosure framework. However, we hope that some governments and regulatory bodies will begin to incorporate TNFD recommendations into mandatory reporting frameworks. For organisations, voluntary adoption of TNFD is a proactive step towards staying ahead of potential regulatory changes and investor demands. By embracing TNFD early, companies can gain a competitive advantage and demonstrate their commitment to environmental responsibility.
by Samantha Wheeler 17 Jan, 2024
With all the good biodiversity gives us and our environment, you would hope that it is sufficiently protected and supported by legislation. Not only in Europe, but also worldwide. As part of the European Green deal approved in 2020, the Nature Restoration Law is the first of its kind to cover the entire continent in Europe. Sadly, 80% of Europe’s natural habitats are in poor condition, but the proposed Nature Restoration Law will help to turn the tide when it comes to the protection and rejuvenation of European biodiversity by two 2030 and 2050 milestones.
by Samantha Wheeler 15 Jan, 2024
‘Biodiversity’ is known as ‘the variability among living organisms from all sources including, terrestrial, marine and other aquatic ecosystems and the ecological complexes of which they are part; including diversity within species, between species, and of ecosystems’. According to this report by the World Economic Forum, Biodiversity equals around $44 trillion in economic value (more than 50% of global GDP), making biodiversity one of Earth’s most valuable assets. Despite the massive amount of value biodiversity provides us, our global loss of biodiversity over the past 50 years has been significant, and 80% of that global biodiversity loss is caused by the built environment, agriculture, and energy/extractives. Sadly, a byproduct of advancing our own environments is that we’re destroying the Earth’s natural ones at the same time. This is because of many factors, and IPBES notes five main drivers: Habitat loss Over-exploitation of natural resources Spread of invasive species Climate change Pollution
by Samantha Wheeler 05 Sept, 2023
Amongst all the policies and jargon out there, it’s easy to forget why it all matters and what the overarching goal is, so let’s take a moment to think about it. The pressure on Earth’s resources is becoming unbearable. Every year, Earth Overshoot Day (the annual date that marks the point when humanity uses more biological resources than the Earth can regenerate within a given year) creeps earlier and earlier. Extreme heat events are becoming more common with forest fires on the rise; species are dying due to habitat loss and food scarcity; our seas are rising and warming leading to devastating floods and enforced migration. All of this and we’re still projected to exceed 1.5 degrees of global warming, despite the 2015 Paris Agreement and subsequent UN promises. In short, we need action, and we need it yesterday.
by Dr. Birgit Memminger-Rieve 25 Jul, 2023
In February 2023, EnviroSustain announced a long-term partnership with Rewilding Europe. This collaboration will see a portion of the EnviroSustain turnover supporting rewilding initiatives for the next ten years, as well as pro bono advice on rewilding-related buildings in the network- such as new offices and rewilding centres. In June, Dr. Birgit Memminger-Rieve, MD at EnviroSustain, and Ingemar Hunold, Partner at EnviroSustain, met with the Rewilding Oder Delta team to provide support and advice for their newly established centre.
Share by: