Wir haben zuletzt Anfang 2024 an dieser Stelle über die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) berichtet. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich 320 Organisationen in 45 Ländern oder Gebieten verpflichtet, das TNFD-Rahmenwerk als Leitfaden für ihre Berichterstattung über naturbezogene Risiken und Chancen zu verwenden.
Bis Februar 2025 war das TNFD-Forum auf über 1.700 Institutionen angewachsen, wobei mehr als 520 Unternehmen und Finanzorganisationen zugesagt hatten, den Rahmen zu übernehmen. Diese wachsende Dynamik spiegelt einen breiteren Wandel wider: Zu verstehen, wie sich die Natur auf die Wirtschaft auswirkt, ist nicht mehr optional, sondern wird für eine gute Entscheidungsfindung immer wichtiger.
Was gibt es Neues?
Die Forschung zeigt, dass der Verlust der Natur sich auf die Bilanz auswirkt
Im Juni 2025, während der Londoner Klima-Aktionswoche, stellte TNFD neue Forschungsergebnisse vor, die mit harten Zahlen untermauern, was viele bereits vermutet hatten: Wenn die Natur geschädigt wird, sind Unternehmen und Investoren echten finanziellen Risiken ausgesetzt. Die Analyse brachte Schäden an Ökosystemen und biologischer Vielfalt mit Kosten wie unterbrochenen Lieferketten, geringerer Verfügbarkeit wichtiger Ressourcen und höheren Betriebskosten in Verbindung. Diese Ergebnisse machen deutlich, dass die Schädigung der Natur auch finanzielle Probleme verursacht, die Auswirkungen auf Einnahmen, Kosten und die langfristige wirtschaftliche Stabilität haben. Bis zum 31. Dezember 2025 läuft eine öffentliche Konsultation, bei der zusätzliche Informationen und Rückmeldungen zur begleitenden Datenbank für naturbedingte finanzielle Risiken eingeholt werden können.
Die Anleger werden aufmerksamer
Immer mehr Investoren und Vermögensverwalter nutzen den TNFD-Rahmen, um zu verstehen, wie sich Naturschäden auf die von ihnen finanzierten Unternehmen auswirken könnten. Sie untersuchen, inwieweit bestimmte Wirtschaftszweige von der Natur abhängig sind – zum Beispiel die Landwirtschaft von Bestäubern oder die Industrie von der Verfügbarkeit von Wasser – und wie sich diese Abhängigkeiten in finanziellen Risiken niederschlagen. Die Daten sind jedoch noch in der Entwicklung begriffen, und für viele Organisationen ist es schwierig, die Indikatoren einheitlich zu interpretieren.
Angleichung an die EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung
TNFD arbeitet eng mit den europäischen Institutionen zusammen, um sicherzustellen, dass sich das neue Rahmenwerk nahtlos in die EU-Vorschriften zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (ESRS) im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) einfügt. Im Juli 2025 unterbreitete TNFD der EFRAG Empfehlungen im Rahmen der laufenden “Omnibus”-Überprüfung, die bis zum 29. September 2025 zur öffentlichen Konsultation steht. Alle Einzelheiten sind über das EFRAG-Konsultationsportal abrufbar.
Zu den wichtigsten Vorschlägen gehören die konsequente Anwendung des LEAP-Prozesses (Locate-Evaluate-Assess-Prepare) auf alle naturbezogenen ESRS-Themen (E2-E5), die Zentralisierung von Umweltdatenpunkten, um Doppelarbeit zu vermeiden, und die Einbettung von “Abhängigkeiten” von der Natur neben Auswirkungen, Risiken und Chancen (DIROs), um eine vollständige Perspektive der doppelten Wesentlichkeit zu bieten. Diese Änderungen sollen die Einhaltung der Vorschriften vereinfachen und gleichzeitig eine wissenschaftlich fundierte Berichterstattung gewährleisten.
Vereinfachung der gemeinsamen Anwendung von GRI und TNFD
In Zusammenarbeit mit der Global Reporting Initiative (GRI) hat TNFD einen praktischen Leitfaden herausgegeben, der Organisationen dabei helfen soll, mit beiden Systemen über die Natur zu berichten, ohne Doppelarbeit zu leisten. Der Leitfaden zeigt die Überschneidungen zwischen den beiden Ansätzen auf und enthält Beispiele von Unternehmen, die beide Systeme erfolgreich angewendet haben. Für viele bedeutet dies weniger Komplexität und eine einheitlichere Berichterstattung über alle Nachhaltigkeitsthemen.
Was dies für Sie bedeutet
- Der finanzielle Aspekt ist klar: Der Verlust der Natur kann sich direkt auf Ihre Kosten, Ihren Umsatz und die Stabilität Ihres Unternemens auswirken. Berücksichtigen Sie dies bei Ihren Geschäfts- und Investitionsentscheidungen.
- Die Vorschriften werden einfacher zu handhaben sein: Mit der Angleichung der TNFD an die EU-Vorschriften ist es einfacher, mehrere Berichterstattungsanforderungen gleichzeitig zu erfüllen.
- Sie können bei der Berichterstattung Zeit sparen: Wenn Sie bereits GRI verwenden, hilft Ihnen der neue Leitfaden bei der Integration von TNFD, ohne dass sich Ihre Arbeitsbelastung verdoppelt.
- Sie haben die Möglichkeit, die Regeln zu beeinflussen: Die EU-Konsultation zur Nachhaltigkeitsberichterstattung ist jetzt eröffnet. Wenn Sie Ihre Erfahrungen mit einbringen, können Sie dazu beitragen, die künftigen Anforderungen zu gestalten.